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Bettina Siegmund

Land im Schlaf 

das land ist wach - das land schläft

 

"Verweile doch, Du bist so schön!"
Goethe, Faust! 

Betten, respektive Feld*betten, stehen im Land. 

Zumeist paarweise, einzeln oder in kleinen Gruppen, einbetoniert an ihren vier Füßen, gerade, schnörkellos, bar jedweder Kissen: das harte Eisen lediglich mit dem Holz des Lattenrostes geschmückt und doch bequem, schön an sich und sinnlich erfahrbar. 

In ihrer Roheit belassen und hinterlassen, geben sie sich dem Raum und der Zeit hin, erkennt sie der Wanderer, Spaziergänger, Plauderer. Er trifft auf Gleichgesinnte, die es sich bequem gemacht haben, ein Bett bereits besitzen/beliegen oder erobert sich ein Freies. 

Ist es vorstellbar mit einer unbekannten Person dieses Bett zu teilen - den Ort zu teilen; eine Konvention im Feld*bett zu brechen? Erwartungsvoll, eingedenk herannahender Dunkelheit, hat sich der Mensch eine Decke mitgebracht oder es steht ihm der Sinn nach Ruhe und kontemplativer Verinnerlichung. Das Feld*bett und der Ort laden ihn ein, auf eine naturnahe Entdeckungsreise im Schlaf oder in Wachheit - horizontal als auch vertikal - zu gehen. Bereitgestellte Infopulte ermöglichen dem Feld*bett-Besucher seine Eindrücke zu schildern und geben dem Künstler eine lebendige Dokumentation seiner Arbeit. 

In ein Netz aktiver Landschaftsschauplätze eingebunden, schafft die Feld*bett Installation des Architekten Siegfried Meinhart eine "über-sinnliche" Erfahrungsebene mentaler als auch körperlicher Qualität, die darüber hinaus das Land in seinem Wesen und in Auseinandersetzung mit dem jeweils spezifischen Ort erlebbar macht. Der Eingriff versteht sich als Zeichensetzung, ähnlich früher Kultstätten mythischer Aufladung. Diese Kunst will elementar sein und sehnt sich nach machtvollen Symbolen, wie sie z.T. nur in der Natur zu finden sind. Sie möchte, wie es der Land Art Künstler Richard Long für seine Arbeiten beansprucht, das Wesentliche herauszulösen, um Umstände möglichst einfach erkennbar und begreifbar machen. 

Wichtig bei den Feld*betten sind in diesem Zusammenhang einerseits Schauplätze starker Naturnähe, wie das Tote Gebirge oder die Bachbetten bei Schloß Losensteinleiten und andererseits ein exponierter Schauplatz menschlicher Gegenwart, wie die Donaulände und der Tummelplatz in Linz. Hier treten die Feld*betten als "Himmelsrose" oder "Liegeskulptur" in Erscheinung.

Der Ort in seiner permanenten Verwandlung durch Naturgewalten und menschlichen Einfluß wird mit dem Verweilen auf dem Feld*bett transparent und öffnet dem Benutzer eine Erlebniswelt die außerhalb der Jetzt-Zeit liegt und die entdeckt werden will. Dieser autonome Proze§ läßt die Welt nur noch ausschnitthaft zu. Im Vergessen derselben kann sie neu und erweitert empfunden werden. So kann das Feld*bett tagsüber dem Wanderer zur Entspannung dienen, dem Tagträumer als Ort kosmische Kommunikation, als Stätte der Betrachtung von Land und Leuten, als Objekt der Freude und Hommage an die Lebenslust oder es steht schlicht für sich selbst in seiner klaren Form. Es steht in der Welt und macht sie damit zu einem unendlichen Ausstellungsraum. 

Aber ob sich jeder gleich in ein fremdes Feld*bett legen möchte, als sich in das eigene zu verkriechen - die Kultstätte größtmöglicher Intimität und des "Sich-Geborgen-Fühlens" in den eigenen Kissen (Polstern)!

Ein Feld*bett im Obsthain oder am Anton Bruckner Symphoniewanderweg (beide in Ansfelden) stellt sich dem Betrachter zunächst als Irritation in den Weg. Der Betrachter, zum Akteur geworden, begibt sich in das Wechselspiel. Somit in Kunst und Leben gleichermaßen verwoben empfindet sich der Verweilende auf dem Feld*bett selbst als Teil der Natur. Die Naturerfahrung wird zur Kunsterfahrung und umgekehrt. 

Mittels Sensibilitätssteigerung, verknüpft auf unsichtbaren Wegen mit anderen Feld*betten und ihren Benützern, entwickelt sich möglicherweise eine energiegeladene Eigendynamik, der sich die Feld*bett-Benützer nicht entziehen können. Immer wieder rückblickend und eintauchend in den Prozeß des Lebens ruht das Feld*bett in sich und mit ihm sein Benutzer. Der unkonventionelle Pfad der Träume wird schlafend beschritten. 

Ohne Einfluß der Inszenierung ist es der Ort, der erzählt: von der Stille oder dem flüsternden Liebespaar. Gestirne zu Leuchtfeuern, Wasser zu rauschenden Gefällen, Ebenen zu neuen Ufern, Gipfel zu Himmelsblitzen. 

Diese Art der Landschaftskunst nimmt keine exakte Wissenschaftlichkeit für sich in Anspruch, sie versteht sich als poetische Landschaftsaktion; als kosmologischer Ausdruck. 
Die Feld*betten sind Landschaftsarchitektur. 

Feld*betten und Infopulte, die von den Gemeinden angekauft wurden gehen nach dem Festival in das Eigentum von Bevölkerung und Natur über. Aber nicht nur: die Feld*betten richten sich an alle und wollen genutzt sein. Als kommunikative Plattform und Erlebnisräume stehen sie fest im Land - zwischen Himmel und Erde.

 

Bettina Siegmund, Kunsthistorikerin
Berlin, August 1997

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